Die zahnärztliche Betreuung während der Schwangerschaft erfordert besondere Aufmerksamkeit, um sowohl die Gesundheit der werdenden Mutter als auch die des ungeborenen Kindes zu gewährleisten. Mit fundiertem Wissen können Zahnärztinnen und Zahnärzte schwangere Patientinnen sicher und kompetent behandeln.
Wenn eine schwangere Patientin mit Zahnschmerzen in die Praxis kommt, stellen sich häufig Fragen zur sicheren Behandlung: Welche Medikamente sind geeignet? Ist eine Lokalanästhesie mit Adrenalin unbedenklich? Wie verhält es sich mit Röntgenaufnahmen? Solche Unsicherheiten können dazu führen, dass eine Überweisung in ein Krankenhaus erwogen wird. Dennoch ist es mit dem richtigen Wissen möglich, schwangere Patientinnen adäquat in der Praxis zu versorgen.
Das zweite Trimenon (14.–27. Schwangerschaftswoche) gilt als optimaler Zeitraum für zahnärztliche Eingriffe. In dieser Phase ist die Organentwicklung abgeschlossen, und das Risiko für Komplikationen ist geringer. Bei der Behandlung sollte auf die Lagerung geachtet werden:
Diese Maßnahmen verhindern das Vena-cava-Kompressionssyndrom, das durch Druck des Uterus auf die Vena cava inferior verursacht wird und zu Kreislaufproblemen führen kann.
Die Frage nach der Zulässigkeit von Röntgenaufnahmen während der Schwangerschaft ist häufig präsent. Moderne digitale Röntgentechnologien reduzieren die Strahlenbelastung erheblich. Dennoch sollte während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimester, Röntgen nur bei zwingender medizinischer Notwendigkeit durchgeführt werden, um Risiken für den Fötus zu minimieren. Der Einsatz von Bleischürzen bietet zusätzlichen Schutz.
Die medikamentöse Behandlung während der Schwangerschaft erfordert sorgfältige Abwägung. Folgende Medikamente gelten als sicher:
Es ist wichtig zu beachten, dass eine absolute Sicherheit bei keinem Medikament garantiert werden kann. Dennoch bieten die genannten Arzneimittel ein hohes Maß an Sicherheit für schwangere Patientinnen.
Neben den hormonellen Veränderungen rückt zunehmend ein anderer Aspekt in den Fokus der pränatalen zahnmedizinischen Versorgung: die Parodontitis. Diese chronisch-entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats ist nicht nur ein Problem der Mundgesundheit, sondern kann erhebliche Auswirkungen auf die Schwangerschaft haben.
Zahlreiche Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen unbehandelter Parodontitis und einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, Präeklampsie und Spontanabort. Die Entzündung scheint dabei systemisch zu wirken – über die lokale Mundhöhle hinaus.
Eine Studie von Choi et al. (2021), basierend auf über 748.000 Schwangerschaftsverläufen, zeigte:
18,66 % unerwünschte Schwangerschaftsausgänge
5,92 % Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht
14,46 % Frühgeburten
2,22 % spontane Fehlgeburten
Bobetsis et al. (2020) beschreiben, dass orale Keime wie Porphyromonas gingivalis hämatogen die Plazenta erreichen und dort Entzündungen verursachen können. Zudem kann die systemische Freisetzung entzündlicher Mediatoren eine frühzeitige Reifung der Zervix oder eine Aktivierung des fetomaternalen Immunsystems auslösen.
Empfehlung für die Praxis:
Frühzeitige zahnärztliche Kontrolluntersuchungen
Regelmäßige professionelle Zahnreinigungen
Enge Zusammenarbeit zwischen Zahnärzt:innen, Gynäkolog:innen und Hebammen
Mit dem richtigen Wissen können schwangere Patientinnen sicher und selbstbewusst behandelt werden. Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
Mit diesen Grundlagen und einem aufmerksamen Blick für die besonderen Bedürfnisse schwangerer Patientinnen steht einer erfolgreichen Behandlung nichts im Wege.
Quellen:
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